DVOŘÁK Antonín: Stabat Mater, Live-Mitschnitt, 2 LP


DVOŘÁK Antonín: Stabat Mater, Live-Mitschnitt, 2 LP

Artikel-Nr.: AA002
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DVOŘÁK Antonín: Stabat Mater, Live-Mitschnitt der "Musik im Dom" (Aachen) am 1. Oktober 1978, 2 LP (Vinyl) made in Germany 1978 (Sonderanfertigung der EMI Electrola F 666 465/66), fabrikneu und unbespielt

Ausführende: Elisabeth Ksoll (Sopran), Ria Bollen (Alt), Richard Lindskog (Tenor), Ulrich Dünnebach (Baß), Aachener Domchor, Städtisches Orchester Aachen, Ltg. Domkapellmeister Dr. Rudolf Pohl

Zweimal im Jahr, am Fest des Stadtpatrons Karls des Großen im Januar und am ersten Sonntag im Oktober, vereinigen sich im Aachsner Dom Stadt- und Dommusik unter Leitung des Domkapellmeisters zu großen kirchenmusikalischen Aufführungen. Handelt es sich im ersteren Fall um den Mitvollzug einer feierlichen Meßliturgie duch die Darbietung einer großen Messe der Klassik und Romantik, so steht im Mittelpunkt der Oktober­Musik die Wiedergabe eines außerliturgischen geistlichen Chorwerks. Dieses Zusammenwirken von Domchor und Städtischem Orchester geht zurück auf die ersten Nachkriegsjahre, jener Stunde null des Aachener Musiklebens, da der unversehrt aus den Trümmern der zerstörten Stadt herausragende Dom zum Symbol des Neubeginns im Zeichen der unzerstörbaren Werte abendländisch­christlichen Geistes wurde. Die aus der damaligen Notsituation geborene Idee der Kooperation eines Chores und eines Orchesters, die beide auf eine bedeutende Tradition zurückschauen können - der Aachener Domchor geht auf die Sängerschule am Hof Karls des Großen zurück, das Städtische Orchester ist das älteste Ensemble in kommunaler Regie im Bereich der Bundesrepublik -, führte im Laufe der Jahre zu bedeutsamen Aufführungen großer geistlicher Chormusik zwischen Monteverdi und Poulenc. Bachs Großwerke fehlten sowenig wie die Wiener Klassiker und die Romantiker bis hinauf zu Bruckner. Hatte Domkapellmeister Prof. Rehmann den Anstoß zu dieser Entwicklung gegohen, so baute sein Nachfolger Dr. Rudolf Pohl sie systematisch aus.

Freilich handelt es sich bei diesen Musiken im Aachener Dom nicht um landläufige "Konzerte", dagegen spricht schon der grundsätzliche Verzicht auf Eintrittsgeld. Es sind vielmehr Stunden der Besinnung, in denen die Meisterwerke der Musica Sacra in einem Rahmen erklingen, der ihnen gemäßer ist als der Konzertsaal. So will denn auch dieser Live-Mitschnitt einer Aufführung des "Stabat Mater" von Antonín Dvořák am 1. Oktober 1978 Zeugnis geben von dem Geist, aus dem heraus am Aachener Dom das verpflichtende Erbe der Kirchenmusik und der geistlichen Musik im weiteren Sinne gepflegt wird.

Die Vertonung der Sequenz von der Schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz ist Dvořáks schönstes, in der Erfindung reichstes Chorwerk. Den letzten Anstoß zur Vollendung der bereits begonnenen, aber zunächst zurückgelegten Komposition gab dem tiefgläubigen böhmischen Meister der Tod seiner drei Kinder in einem Zeitraum von zwei Jahren. Die Komposition entstand im April und Mai 1876, die Instrumentation erfolgte im Oktober und November 1877. Das "Stabat Mater" begründete Dvořáks Weltruhm. Diese zugleich höchst kunstvolle und melodisch überquellende Musik stellt uns eine böhmische Mater dolorosa vor Augen, so, wie die Madonnen des Mittelalters Züge und Gewänder der Frauen ihrer Zeit tragen. Immer wieder schlägt Volkstümlich-Folkloristisches durch, wie wir dies ja auch von Dvořáks Instrumentalmusik her kennen. Die im 19. Jahrhundert ansonsten längst entschwundene Einheit von Heiligem und Profanem ist dank der engen Verbindung von Glaube und Volkstum, wie sie in Böhmen bis heute lebendig blieb, in dieser zehnsätzigen Kantate noch gewahrt. So wenn bei "Eja mater fons amoris" die Vision eines von Musikanten angeführten Trauerzuges beschworen wird, oder wenn bei "Fac me vere" der Solotenor den einfallenden Männerstimmen eine unverkennbare Volksweise vorsingt. Daneben stehen Stellen von monumentaler Größe, so der breit angelegte, in großen Ausdrucksspannunqen sich entwickelnde Anfangsteil, der am Schluß des Werkes wiederum thematisch anklingt, oder das grandiose Schluß-Fugato mit dem plötzlich einbrechenden ekstatisch-hymnischen A-cappella-Satz. Anklänge an die barocke Oratorientradition finden sich in der von ferne an Händel gemahnenden Alt-Arie "Inflammatus et accensus", während der siebente Satz "Virgo virginum praeclara" geistliche Musik des 17. Jahrhunderts in Erinnerung ruft. Alles dieses hat jedoch nicht das mindeste mit Stilkopie oder bewußten Rückgriffen zu tun, die Sprache ist und bleibt in jeder Phase unverkennbar diejenige Dvořáks. Ergreifender als in diesem "Stabat Mater" ist seit Palestrina der Schmerz der um ihren toten Sohn trauernden Gottesmutter von Musik niemals verklärt worden, selbst Verdis berühmtes Spätwerk rührt nicht so unmittelbar an. (A. B.)

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