JANÁĈEK Leoš: Missa Glagolitica, Live-Mitschnitt, LP


JANÁĈEK Leoš: Missa Glagolitica, Live-Mitschnitt, LP

Artikel-Nr.: AA001
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JANÁĈEK Leoš: Missa Glagolitica, Live-Mitschnitt der "Musik im Dom" (Aachen) am 5. Oktober 1980, LP (Vinyl) made in Germany 1980 (Sonderanfertigung der EMI Electrola F 667 291), fabrikneu und unbespielt

Ausführende: Elisabeth Ksoll (Sopran), Ria Bollen (Alt), Raimund Gilvan (Tenor), Erich Wenk (Baß), Herbert Voß (Orgel), Aachener Domchor, Städtisches Orchester Aachen, Ltg. Domkapellmeister Dr. Rudolf Pohl

Diese Wiedergabe des Werkes nutzt die lateinische Version des Meßordinariums.

I. Introduktion
II. Kyrie
III. Gloria
IV. Credo
V. Sanctus
VI. Agnus Dei
VII. Postludium
VIII. Intrada

Zweimal im Jahr, am Fest des Stadtpatrons Karls des Großen im Januar und am ersten Sonntag im Oktober, vereinigen sich im Aachsner Dom Stadt- und Dommusik unter Leitung des Domkapellmeisters zu großen kirchenmusikalischen Aufführungen. Handelt es sich im ersteren Fall um den Mitvollzug einer feierlichen Meßliturgie duch die Darbietung einer großen Messe der Klassik und Romantik, so steht im Mittelpunkt der Oktober­Musik die Wiedergabe eines außerliturgischen geistlichen Chorwerks. Dieses Zusammenwirken von Domchor und Städtischem Orchester geht zurück auf die ersten Nachkriegsjahre, jener Stunde null des Aachener Musiklebens, da der unversehrt aus den Trümmern der zerstörten Stadt herausragende Dom zum Symbol des Neubeginns im Zeichen der unzerstörbaren Werte abendländisch­christlichen Geistes wurde. Die aus der damaligen Notsituation geborene Idee der Kooperation eines Chores und eines Orchesters, die beide auf eine bedeutende Tradition zurückschauen können - der Aachener Domchor geht auf die Sängerschule am Hof Karls des Großen zurück, das Städtische Orchester ist das älteste Ensemble in kommunaler Regie im Bereich der Bundesrepublik -, führte im Laufe der Jahre zu bedeutsamen Aufführungen großer geistlicher Chormusik zwischen Monteverdi und Janáček. Bachs Großwerke fehlten sowenig wie die Wiener Klassiker und die Romantiker bis hinauf zu Brahms und Bruckner. Hatte Domkapellmeister Prof. Rehmann den Anstoß zu dieser Entwicklung gegohen, so baute sein Nachfolger Dr. Rudolf Pohl sie systematisch aus.

Freilich handelt es sich bei diesen Musiken im Aachener Dom nicht um landläufige "Konzerte", dagegen spricht schon der grundsätzliche Verzicht auf Eintrittsgeld. Es sind vielmehr Stunden der Besinnung, in denen die Meisterwerke der Musica Sacra in einem Rahmen erklingen, der ihnen gemäßer ist als der Konzertsaal. So will denn auch dieser Live-Mitschnitt einer Aufführung der "Missa Glagolitica" von Leoš Janáček am 5. Oktober 1980 Zeugnis geben von dem Geist, aus dem heraus am Aachener Dom das verpflichtende Erbe der Kirchenmusik und der geistlichen Musik im weiteren Sinne gepflegt wird.

Die 1926 komponierte und 1927 in Brünn uraufgeführte Glagolitische Messe des mährischen Komponisten und Schöpfers der viel gespielten Opern "Jenufa" und "Katja Kabanova" Leoš Janáček (1854-1928) ist nach Umfang und Anspruch die bedeutendste Meßkomposition des 20. Jahrhunderts. Der Titel ist ein Mißverständnis: Janáček vertonte das Meßordinarium in altslawischer Kirchensprache, die er für "glagolitisch" hielt, obgleich diese Bezeichnung nur auf die altslawische Schrift zutrifft. Die vorliegende Wiedergabe benutzt aus naheliegenden sprachlichen Gründen die lateinische Version des Meßordinariums, die sich der Musik unschwer unterlegen läßt.

Das Werk steht nach Form und musikalischer Textbehandlung außerhalb  der Tradtion, wie sie sich von den altem Niederländern bis zu Strawinsky und Hindemith für die Meßkomposition herausbildete. Es handelt sich eher um eine sakrale Orchestersymphonie, in welche die Vokalstimmen ihre liturgischen Texteinwürfe in einer Art von ekstatischor Glossolalie hineinrufen, von glühender Farbigkeit und hochgesteigerter Ausdrucksinbrunst. Der aus Janáčeks Opern bekannte, spezifisch "mährische" Tonfall, der vom Sprachrhythmus des Textes ausgeht, schlägt immer wieder durch, nicht weniger die Freude am kraftvollen Glanz des Blechs und am Entwickeln breiter Klangflächen aus motivischen Partikeln. Das Werk schöpft aus dem Geist der Ostliturgie mit ihrer von keinerlei Rationalismus angekränkelten Prachtentfaltung. Der den Charakter des Ganzen bestimmende hymnisch-ekstatische Zug schließt jedoch eln ausdrucksstarkes Eingehen auf den Textgehalt keineswegs aus. Wie sehr das Werk formal seine eigenen Wege geht, zeigen die rein instrumentalen Sätze: das fanfaren überglänzte Orchesterpräludium zu Beginn, das Orgelsolo über ein zweitaktiges Ostinato-Thema nach dem Agnus Dei und das abschließende Orchester-Postludium. Mit der Wiedergabe von Janáčeks Glagolitischer Messe wollen Domkapellmeister Dr. Rudolf Pohl und sein Domchor nicht zuletzt ein Beispiel großer geistlicher Musik unserer Zeit geben. (A. B.)

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